Engagement des Monats - Andachten im SWZ

Kategorie: Aktuelles

Zum Bürgerhafen bin ich durch meinen Mann gekommen. Er war gerade im Herbst 2007 heftig an Krebs erkrankt und meinte, ich brauchte etwas für „später“, wie auch immer das Spätere beschaffen sein würde. So war ich mit dabei in der ersten Ausbildung zum Seniortrainer. Über den Bürgerhafen habe ich dann die Lichtpunkte im Advent gemeinsam mit Frau Pastorin Bartels gestaltet. Die Lichtpunkte waren der Vorläufer für die Adventskapelle auf dem Markt, wo ich mich auch jetzt immer wieder einmal einbringe. Sehr gerne bin ich bei der Walking-Gruppe von Frau Hörhager und, wenn es die Zeit erlaubt (ich arbeite zurzeit vertretungsweise in Altentreptow) bei der Wandergruppe von Frau Ogonowski mit dabei. Neben der Bewegung an frischer Luft gibt es viele gute Gespräche, wenn man miteinander auf dem Weg ist. Auch gemeinsame Unternehmungen in Sachen Kultur und Reisen machen viel Spaß. Als das neue Pflegeheim in der Soldmannstraße eröffnet wurde, fragte mich Frau Dr. Meyer-Klette, ob ich bereit sei, monatliche Andachten dort zu übernehmen. Die Aufgabe nehme ich gern wahr. Wenn ich um 10:00 Uhr komme, sitzen dann schon 20-30 Heimbewohner erwartungsvoll im Tagesraum. Ein Altartisch ist liebevoll mit Blumen und Kerzen geschmückt. Ich bemühe mich sehr um Anschaulichkeit. Fast jedes Mal bringe ich etwas mit, das zum Thema passt: etwa bunte Ostereier zu Ostern, ein Brot in der Zeit von Erntedank, ein großes Papierschiff zum Thema „Lebensfahrt“. Das weckt mehr Gedanken als die bloße Rede. Lieblingslieder sind „Lobe den Herrn“, „So nimm denn meine Hände“, und der absolute Favorit ist “Weißt du, wieviel Sternlein stehen“. Es ist wichtig, dass den Heimbewohnern Altbekanntes begegnet. Manchmal gestalte ich die Andacht auch etwas anders. In der Weihnachtszeit werden gern bekannte volkstümliche Weihnachtslieder gesungen und bekannte Gedichte zu Gehör gebracht. Im Mai danken wir mit vielen Frühlingsliedern, Geschichten und Versen für Gottes wunderbare Schöpfung. Da kann es schon passieren, dass der eine oder andere Heimbewohner mich um ein Gedicht bereichert, das ich noch nicht kannte. Anlässlich der Bachwoche habe ich einmal mit Musikbeispielen aus dem Leben von Johann-Sebastian-Bach erzählt. Ein Heimbewohner war so sehr gerührt, dass ihm die Tränen kamen: Das habe ich alles einmal selbst mitgesungen! Bald darauf ist er verstorben. Das hat mich sehr bewegt. Viele Heimbewohner leiden unterschiedlich an Demenz. Ob alle etwas mitbekommen? Ich weiß es nicht. Sie merken aber die Zuwendung. Wenn trotz allem so etwas wie Freude oder Verstehen aufblitzt, gehe ich fröhlich nach Hause.

Renate Moderow