Auf jüdischen Spuren durch Greifswald

Kategorie: Aktuelles

Am 09.05.2018 bekamen Ehrenamtliche des Bürgerhafens die Möglichkeit einer Führung zu den Greifswalder Stolpersteinen und zu Orten, an denen jüdisches Leben stattfand. Ulrich Möbius gab uns einen Einblick in das jüdische Leben vor und um 1935 - 1945 in Greifswald und Vorpommern und darüber, wie es ein abruptes Ende nahm. Neben dem ehemaligen Betsaal der jüdischen Gemeinde, die 1870 in Greifswald gegründet wurde (vorher mussten alle Greifswalder Juden stets nach Stralsund), besichtigten wir Wohnhäuser jüdischer Bürger, vor denen nun Stolpersteine zum Gedenken an den Holocaust platziert wurden.

Auf den Spuren jüdischen Lebens erfuhren wir Lebensgeschichten z.B. von Familie Cohn, die im heutigen Gasthaus "Alter Fritz" wohnte und den Betsaal zur Verfügung stellte. Wir hörten von den Brüdern der Familie Futter, die zur Ausbildung nach Berlin gingen, von wo aus sie Deutschland gemeinsam mit 200 weiteren jüdischen Lehrlingen auf abenteuerlichem Weg in Richtung England verlassen konnten. Die restlichen Lehrlinge, die kurze Zeit später rausgeschleust werden sollten, wurden alle 1941 nach Auschwitz deportiert. Ihre Eltern haben Hans und Gerd Futter nicht wiedergesehen. Sie beide aber überlebten den Holocaust. 

In der Steinbecker Straße gab es mehrere jüdische Geschäfte und auch in der Langen Straße waren jüdische Geschäftsleute zu finden. Zu ihnen gehörten die Ausstatter Salo Biermann und Joseph Brandwein. Familie Brandwein stellte ab 1930 ihr Haus als Betsaal für die Greifswalder Juden zur Verfügung.

Eine von vielen Spuren jüdischen Lebens wurde bei der Sanierung der Rudolf-Petershagen-Allee vernichtet: ein Gullydeckel der Fa. Hans Behrend. Er war einer der Ausbilder der Brüder Futter in Berlin, die ihre Schützlinge vor dem Deutschen Reich retten wollten.

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